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Bericht von der "Ferdinand Porsche Gedächtnis Tourenfahrt 2007" oder "Des geht si nie aus…."

 

Liebe Rallyefreunde!

Da ich kurz vor der Ötztal-Classic von einem heimtückischen Virus niedergestreckt wurde und diese Rallye leider auslassen musste, war erst am letzten Wochenende wieder Zeit den 912er anzuwerfen.

Das Ziel war die "Ferdinand Porsche Gedächtnis Tourenfahrt 2007" des Porsche Club Wien. Der Start fand traditionell auf dem Gelände des ehemaligen Lohner-Werks in der Donaufelder Strasse im 21. Bezirk statt. Rund 38 Starter, vorwiegend auf Fahrzeugen mit Bezug zu Ferdinand Porsche, traten zur Rallye an. Unser 912er gehörte zu den ältesten Fahrzeugen am Start.

Dem Veranstalter war bei dieser Rallye besonders wichtig, dass alle Fahrzeuge, unabhängig vom technischen Equipment, die gleiche Siegchance haben. sollte doch diese Rallye auch den nicht so geübten Rallyefreunden eine faire Chance bieten. Sichergestellt wurde dies einerseits durch ein hervorragendes Roadbook (welches einen speziellen Wegstreckenzähler obsolet machte), andererseits durch Sonderprüfungen, die vor allem auf Rechenbegabung statt auf Schnitttabellen ausgelegt waren, sichergestellt.

Die erste Etappe führte uns aus der Stadt über verschlungene Pfade nach Eisenstadt. Kurz vor Eisenstadt war der erste Teil der ersten Sonderprüfung zu fahren. Der auf dieser Strecke gewählte Schnitt sollte auf das 100stel km/h genau am Ende der zweiten Etappe wiederholt werden. Wir haben ganz bewusst einen niedrigen Schnitt gewählt, da die Strecke, auf der dieser Schnitt wiederholt werden sollte, durch die Adlitzgräben geführt hat. An sich eine kluge Überlegung, aber,….

… wie sich später herausstellte, grundfalsch. Nach dem Mittagessen beim Schloss Esterhazy in Eisenstadt führte uns das Roadbook über herrliche Strassen in die Gegend von Gloggnitz. Zu diesem Zeitpunkt war uns schon klar, dass unsere Entscheidung, einen geringen Schnitt in der Sonderprüfung zu wählen, wohl nicht ganz so schlau war, wie wir ursprünglich gedacht hatten. Die Problematik an einem geringen Schnitt am Ende einer Etappe mit fixem Ankunftszeitfenster liegt darin, das man, um das Zeitfenster zu erreichen, vor dem langsamen Schnitt natürlich dementsprechend schneller fahren muss.

Was soll ich sagen – je länger wir fuhren umso klarer wurde uns: das geht sich nicht aus! Was tun? Es galt zum ersten Mal in unserer Rallyekarriere eine Entscheidung zu treffen, welcher von zwei Fehlern sich geringer auswirkt. Sollen wir zu spät in die Etappe kommen, oder auf den Schnitt pfeifen? Nachdem kurzem Studium des Reglements wurde uns klar, dass die Verfehlung der Etappenzeit nur mit einem Punkt pro Sekunde bestraft wird, eine Abweichung im Schnitt aber mit 1000 Punkten pro km/h bestraft wird! Damit war die Entscheidung klar, wir fuhren 1 Minute 11 Sekunden zu spät in die Etappe ein, haben also rund 70 Punkte kassiert.

Danach wurde es allerdings noch chaotischer in unserem Auto. Die dritte Etappe führte durchs Höllental, über Gutenstein zum Schusternazl, eigentlich eine Traumstrecke. Eigentlich deshalb, weil strömender Dauerregen den Genuss verleidet hat. Der Regen drückte auch deutlich auf den von mir und unserem Fahrzeug fahrbaren Schnitt. Klar, dass wir auch zur nächsten Sonderprüfung zu spät eingelangt sind. Wobei zu spät sich nur auf den von uns gewählten Schnitt bezog, was, nach hektischer Stoppuhrbedienung, eine Riesenrechnerei nach sich zog. Müßig zu erwähnen, dass es noch immer geschüttet hat.

Mit Müh und Not haben wir in unserem Schnitt das Ziel erreicht, noch nie waren wir so froh, dass die Rallye vorbei war. Die Rallye war uns mit unserem schwachen Fahrzeug, unter diesen Wetterverhältnissen, in Anbetracht unserer taktischen Fehler, zu schnell. Für Porsches der aktuellen Baujahre waren die Verhältnisse zwar auch nicht einfach, aber 40 Jahre technischer (Porsche)Fortschritt ist unter solchen Verhältnissen nicht zu verleugnen.

Die Siegerehrung fand im Gasthof Schusternazl statt. Da relativ wenige "alte" Fahrzeuge mitgefahren sind, wurde unsere Wertungsgruppe bis Baujahr 1993 (!) ausgeweitet. Uns war klar, dass wir in Summe so um die 200 bis 300 Strafpunkte kassiert haben müssten. Als Julius Ehrlich vom Porsche Club Wien die Punkteanzahl des Letztplatzierten mit 248.000 angab, war uns klar, Letzte werden wir nicht…

Es sollte noch viel besser kommen, überraschenderweise haben wir trotz unserer Probleme die Klasse gewonnen! Unsere Punkteanzahl haben wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht erfahren.

Um es kurz zu machen – unsere rund 190 Strafpunkte reichten auch zum Sieg im Gesamtklassement aus. Damit durften wir den Wanderpokal mit nach Hause nehmen, verbunden mit der Verpflichtung, unseren Titel auch nächstes Jahr zu verteidigen, was wir uns natürlich nicht nehmen lassen werden.

Besonders gefreut hat uns der Umstand, dass wir mit einem der ältesten und schwächsten Fahrzeuge dieser Veranstaltung diese schnelle Rallye gewonnen haben.

An dieser Stelle möchte ich mich noch bei allen Funktionären des Porsche Club Wien für die perfekte Organisation und Durchführung dieser Rallye bedanken.Wir sehen uns nächstes Jahr sicher wieder.

 

Liebe Grüße Wolfgang Nigrowics

PS: Eine Rallye gibt es heuer für uns noch – die 1. Falkenstein Classic am 29.09.2007. Wir werden natürlich berichten….

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