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Die Zeitreise im Clocktower

Im Süden von Wien, in Brunn am Gebirge, befindet sich ein Lokal, das sich Clocktower* nennt und wo meist die Nutzer einer berühmten amerikanischen Motorrad Marke bewirtet werden. Diesmal waren es die Porschefahrer, ihre Damen und als special guest Franz Wurz.

Die alten Leute unter uns wissen noch, dass Franz Wurz nicht nur Vater des berühmten Alexander** ist. Er war in den 1970-er und 80-er Jahren ein erfolgreicher Rallye-, Autocross- und Rallyecrossfahrer. Nachdem die Speisekarte, die vorwiegend Spezialtäten der Amerikanischen Küche beinhaltet, erledigt war, begann Franz Wurz mit seinem Vortrag. Und hier begann für uns und besonders für uns Altspatzen eine amüsante Zeitreise in die Ära des freien Gasgebens. Naja, nicht ganz. 1973 war die Ölkrise und Tempolimits begannen uns zu peinigen… Und Rallyecross als Motorsportart wurde populär. ***

Die Einladung zu diesem Clubabend ist an mich ergangen, weil ich für die gemeinsame Veranstaltung von PCCA und PCW am Wachauring Werbung machen wollte. Die Werbung war für mich leider erfolglos, andrerseits Franz errang am Wachauring - vormals Leru Ring Melk - seine großen Erfolge im Rallyecross. Das war aber nicht der Beginn seiner Karriere im Motorsport. Sie begann auf österreichischen Rallyepfaden, die damals noch überwiegend Schotterstraßen waren. Dann wurde er auch Autocrosser auf VW Buggy mit einem Motor von Meister Bergmann aus Essling, genau der, der die Kaimann für die Formel Vau gebaut hatte, was Fritz Böhler bestätigte, der auch da war und sein diesbezügliches Wissen und seine Erfolge einstreute. Es begab sich, dass Herr Franz Wurz den grandiosen Motor im Rallyecross Käfer eingebaut hatte, damit in Lydden Hill am Samstag zur Europameisterschaft antrat und am Sonntag in Waidhofen Autocross fahren sollte. Erstens musste der Bergmannmotor aus dem Käfer ausgebaut und in den Kofferraum des Betreuungsautos verfrachtet werden. Danach musste – logistischer Fachausdruck – im Nachtsprung Waidhofen erreicht und der Motor ins Buggy eingebaut werden. Damals waren die deutschen Autobahnen noch mit vollen Rohren zu bewältigen aber dazwischen gab es noch Grenz- und Zollkontrollen. Heute gibt es Polizeikontrollen an den Grenzen und es ist noch zäher als damals. Die Aktion ist übrigens gelungen. Franz hat jede Menge Erfolge erzielt und war dreimal Europameister. Er war einer der wenigen, die auch dank seiner Sponsoren damit auch Geld verdienen konnte. Eine nette Geschichte ist seine Rückkehr zum Rallyefahren. Bei der Argentinien Rallye 1983 - ein Weltmeisterschaftslauf - mit Rudi Stohl auf Audi 80 Quattro Gruppe A fügte er einen 6. Platz im Gesamtklassement seiner langen Erfolgsliste hinzu.

Die Motorsporterfolge sind das eine, die Einführung des Fahrsicherheitstrainings das andre. Franz erzählte vom Beginn der Fahrtechniklehrgänge mit Herbert Grünsteidl, von der Einrichtung der Fahrsicherheitszentren und wie der Österreichring zum A1 Ring wurde. Nach langem hin und her entstand dann doch der aktuelle Red Bull Ring.    

Die neueste Geschichte aus dem Morgenland ist die Reise von Franz und Alexander nach Saudi-Arabien. Ebendort wo Frauen derzeit nicht Autofahren dürfen, soll es künftig Fahrtechnikzentren geben. Hier sollen Frauen die Sache richtig lernen, wenn sie dann Autofahren dürfen.

Das Mikrofon durfte schließlich auch ich ergreifen. Mein Einstieg war, die Geschichte vom Beginn der Fahrsicherheitstrainings am Flugplatz Aspern zu erzählen. Die Sache mit dem Geldverdienen im österreichischen Motorsport, als wir uns im Valvoline RAR Team getroffen haben, durfte ich aus meiner Sicht berichten. Von der Ölfirma Valvoline bekamen wir mehrere Kisten Motoröl, Prämien für Siege und Kilometergeld entsprechend der Rallyestreckenlänge. 1968 hatten wir beide einen Mini Cooper zum Rallyefahren. Franz konnte mit Beifahrer Zögl bei der Moldau Rallye in der damaligen CSSR gemeinsam mit Bennier/ Barth, Dolzer/ Dolzer ein Team bilden und so die Nationalteamwertung gewinnen. Übrigens das amerikanische Schmiermittel hat auch einen Herrn Andreas Nikolaus Ritter von Lauda angezogen und ins RAR Team gespült. Das ist schon eine ganz andere Geschichte. Wir sind hier schon sehr tief in der Vergangenheit und sollten an dieser Stelle die Zeitmaschine verlassen.

 

gez. Julius Ehrlich

(Gastautor des PC Wien)

* Der berühmteste Clocktower – deutsch Uhrturm - ist wohl der Big Ben in London. **Alex Wurz gewann auf Jöst Porsche Le Mans 1996. ***Erstes Rallyecross am 4. Februar 1967 in Lydden Hill gewann Vic Elford auf 911.

Text und Bilder: Copyright Porsche Classic Club Austria 2017

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