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Unter diesem Motto fand am ersten Augustwochende eine Fahrt ins Mostviertel mit einem Besuch des Theatersommers Stadt Haag statt.

Die Teilnehmer, die Graz als Startpunkt auserwählt hatten, trafen sich knapp nach 8 Uhr im Cafe Bokan zu einem gemeinsamen Frühstück auf der Terrasse des Hauses, bevor wir uns auf die A9 Richtung Norden begaben.  Beim Landzeit in Kammern trafen wir auf Teilnehmer aus der Region Ost und ohne uns lange aufzuhalten ging es im Konvoi in flotter  Fahrt bis Rottenmann, wo wir auf die Bundesstraße wechselten und über Selzthal nach Liezen fuhren. Auch hier kamen wir gut durch den vormittäglichen Einkaufsverkehr, der sich mit der Urlauberlawine vermischte. Die Pyhrnpass-Bundesstraße war nahezu frei und das traumhafte Wetter erlaubte immer wieder, den Blick in die Bergwelt schweifen zu lassen. Dennoch kamen wir mit etwas Verspätung nach Windischgarsten, wo ein weiteres Porsche-Team schon auf uns im vereinbarten Treffpunkt, der Cafe-Konditorei Thallinger wartete. So gesellten wir uns dazu, Kaffee und Kuchen waren hochwillkommen. Ein traumhafter hausgemachter Zwetschgenfleck und Apfelstreuselkuchen lockten aber auch Mitesser in Gestalt von Wespen an, dennoch verlief der Aufenthalt „unfallfrei“.

Alsbald sortierten wir uns neu zu einem ersten fahrerischen Highlight, dem Hengstpass. Der Hengstpass hatte seit dem 16. Jahrhundert große Bedeutung für den Transport von Eisen, Lebensmittel und Waren des täglichen Bedarfs. Während das Eisen aus dem Ennstal zur Weiterverarbeitung ins Krems- und Steyrtal transportiert wurde, wurden in umgekehrter Richtung die Eisenarbeiter mit Lebensmitteln versorgt. Am Pass wurden dabei für die Fuhrleute gegen Bezahlung Hengste bereit gestellt, damit diese ihre eigenen Tiere schonen konnten. Heute erschließt die Passstraße (die im oberen Bereich nicht mehr der ursprünglichen Route über die Eggalm folgt) eine touristisch wichtige und beliebte Wanderregion mit zahlreichen bewirtschafteten Almen und Gasthäusern inmitten einer wildromantischen Bergnatur. Talwärts ging es entlang der Laussa, mal in engen Einschnitten, dann wieder in breiteren Talabschnitten in einem flotten Kurvengeschlängel.

Bei Altenmarkt trafen wir auf die Ennstal-Bundesstraße. Die Cabrios hatten längst die Mütze abgestreift, die Schiebedächer der verlöteten Fraktion waren geöffnet, nur wenig Verkehr störte unser Vorankommen. Weyer wurde passiert, der Heimatort eines Mitarbeiters von Ferdinand Porsche seit frühen Tagen: Erwin Komenda. Er entwickelte die Karosserie des VW Käfer, des P-Auto-Union-Rennwagens und des Cisitalia Rennwagens. Seit 1946 arbeitete er an den Karosserien des 356, 550 Spyder, des 901, der dann zum 911 weiterentwickelt wurde. Eines seiner letzten Projekte war die Entwicklung der Kunststoffkarosserie des 904 Rennwagens. Erwin Komenda starb plötzlich und überraschend im August 1966.

Alsbald kamen wir nach Großraming, gleich danach bogen wir in den Neustiftgraben ab, der mehr Tal als Graben ist und mit seinen Hügeln schon ein wenig an das angrenzende Mostviertel erinnert. Ein kurzer steiler Anstieg mit zwei drei Serpentinen brachte uns nach Maria Neustift, wo die nächste Pause geplant war. Direkt am Hauptplatz unter großen Schirmen konnten wir im Gastgarten der Bäckerei Steinparzer Platz nehmen. Herrliche Torten und kühle Erfrischungsgetränke waren gern willkommen und die Zeit wurde für gute Gespräche genutzt. Schließlich statteten wir der Wallfahrtskirche Maria Schnee einen Besuch abstatteten. Der Sage nach trafen in der Gegend um das heutige Neustift zwei verfeindete Brüder (der Herr von Gleiß und der Herr von Hartweigstein) im Kampf aufeinander. Einer der beiden drohte zu unterliegen, geriet in große Gefahr und versprach für den Fall seiner Rettung eine Kirche errichten zu lassen. Tatsächlich fiel plötzlich Nebel ein und der unterlegene Bruder konnte entkommen. Die Vorbereitungen zum Bau der Kirche wurden getroffen, doch Raben trugen die Holzspäne an einen anderen Ort, wo man das Holz mitten im Sommer mit Schnee bedeckt wiederfand. Heute steht hier die Kirche, die um 1124 zunächst als hölzerne Kapelle erwähnt ist. 1490 folgte der erste Bau eines steinernen Gotteshauses, seit 1886 steht nun der dritte (neugotische) Kirchenbau an diesem Platz.

Weiter ging es entlang des Ramingbaches Richtung St. Ulrich. Die Überfahrt vom Ramingtal ins Ennstal brachte uns einen wunderschönen Blick ins Alpenvorland. Nun hatten wir nur noch Steyr zu durchqueren und stellten unsere Fahrzeuge auf dem schattigen Parkplatz unmittelbar vor dem Hotel und Restaurant Christkindlwirt und der Wallfahrtskirche Christkindl ab.  Das Einchecken – da gut vorbereitet – erfolgte zügig. Die nun zur Verfügung stehenden freien zwei Stunden wurden unterschiedlich genutzt, ein paar von uns erkundeten schon Steyr und seine Geschäfte, andere machten es sich auf der Terrasse des Restaurants oder dem Sonnendeck gemütlich, doch alle waren wie vereinbart zeitgerecht zum gemeinsamen Abendessen wieder im Hotel. Auch Heinz war in der Zwischenzeit mit seinem Neffen, der am Vormittag noch arbeiten musste, eingetroffen Nach einem guten Abendessen starteten wir wieder die Motoren, um das knapp eine halbe Stunde entfernte Haag zu erreichen. Eine kurze Parkplatzsuche endete erfolgreich und ein kurzer Spaziergang brachte uns auf den Stadtplatz von Stadt Haag, wo die imposante Holzkonstruktion der Zuschauertribüne sofort ins Auge stach.

Das dargebotene Stück von Roman Frankl und Michael Niavarani „RESET-Alles auf Anfang“ strapazierte die Lachmuskel und schien doch oft direkt aus dem Leben gegriffen. Ein hervorragend gelauntes Schauspielensemble rund um Herbert Steinböck und Fifi Pissecker ließ jede Pointe der Inszenierung von Werner Sobotka „sitzen“ und die drei Stunden (sic) vergingen wie im Flug, fragt Michael Niavarani doch: „Was würden Sie lieber verlieren? Ihr Gedächtnis oder Ihre Frau? Ihren besten Freund oder Ihre Geliebte? Ihr ganzes Vermögen oder Ihre Arbeit? Ihre Vergangenheit oder Ihre Zukunft? Sie wachen auf und haben Ihr Gedächtnis verloren. Alles ist weg. Die Kindheit, die erste Liebe, die Hochzeit, die Hobbies, der beste Freund und ein Koffer voller Geld. Lost memory: Die Festplatte ist leer und kann neu formatiert werde, die Frage ist nur, von wem? Von Ihrer Frau? Von Ihrer Geliebten? Von Ihrem besten Freund? Und Sie können sich wirklich an nichts mehr erinnern? Gar nichts??? Nicht einmal daran, dass Sie Ihr Gedächtnis verloren haben? Manchmal kommt man durch die Möglichkeit, ganz von vorne anfangen zu können, direkt zum Schluss. Und dann fängt alles wieder von vorne an…“

Ein Glas Erdbeerbowle noch, bevor wir die Rückfahrt ins Hotel antraten, dort noch einen Absacker zu uns nahmen und zu Bette gingen. Kaum, dass alle in ihren Zimmern waren, begann es zu  regnen, mal kräftiger, mal nur nieselnd, doch stetig. Und das sollte uns bis zum frühen Nachmittag am Sonntag begleiten. Nichts desto trotz waren alle motiviert und überpünktlich beim Frühstück – und alle wollten noch eine  Führung durch das historische Steyr. Unser Bummel führte uns zunächst auf den Stadtplatz, der mit seinem fast unversehrt erhaltenen historischen Ensemble zu den schönsten Plätzen Europas gezählt werden darf. Stilarten wie Gotik, Renaissance, Barock und Rokoko zeigen ein erstaunlich einheitliches historisches Bild. Steyr gehört zu den wenigen historischen Städten, die eine weitgehend geschlossene mittelalterliche Bausubstanz aufweisen. Es ist nahezu das ganze Ensemble der Altstadt erhalten. Im ganzen Altstadtbereich findet man eine große Anzahl meist bemalter und zum Teil vergoldeter Zunftzeichen. Auf dem Stadtplatz findet sich auch das vermutlich älteste erhaltene Gebäude der Stadt, das Bummerlhaus, das aus dem 13. Jahrhundert stammt und wahrscheinlich Teil der Stadtbefestigung war. Weiter gingen wir zum Zusammenfluss von Steyr und Enns, warfen einen Blick auf die Bürgerspitalkirche und die Michaelerkirche und wanderten weiter auf dem Museumssteig, warfen einen Blick auf den Wehrgraben und  Richtung Museum Arbeitswelt. Da wir allerdings dessen Besuch nicht eingeplant hatten, erklommen wir die Stiegen zum Schloss Lamberg, das Ende des 10. Jahrhunderts erst als „Styraburg“ errichtet wurde. Schließlich wanderten wir durch die Berggasse zurück Richtung Stadtpfarrkirche, dem „Steyrer Münster“, einer dreischiffigen Hallenkirche. Durchnässt aber zufrieden starteten wir nun Richtung Niederösterreich, ein kurzer Halt noch beim Stift Seitenstetten, dem „Vierkanter Gottes“ bremste unseren Vorwärtsdrang. Dann ging es Richtung Ybbstal - leider versteckte sich die Wallfahrtskirche Sonntagberg  hinter tief hängenden Wolken - Böhlerwerk und Waidhofen, wo wir zum Mittagessen im Schloss Rothschild einkehrten und ganz vorzüglich schmausten.

Hier hörte es schließlich zu regnen auf und die Strecke nach Opponitz und weiter nach Hollenstein erlaubte trotz feuchter Fahrbahn zügiges Vorankommen. In Hollenstein verließen wir die Bundesstraße und folgten einer zum Teil einspurigen Bergstraße über den Königsberg zur Salzatalbundesstraße, der wir bis Hieflau folgten. Dort bogen wir ab und durchquerten nun den Nationalpark Gesäuse, auch hier war zwar die Straße noch nass, aber gut und zügig zu befahren. Ein letzter Rastpunkt führte uns  ins Schlossrestaurant des Stifts Admont. Es folgte die Verabschiedung der Teilnehmer und noch einmal ging es über eine Bergstraße, die Kaiserau nach Trieben, wo wir die Autobahn erreichten und die Fahrzeuggruppe auflösten.

Die nächste kultur-kulinarische Reise wird uns aus der Region Süd-Südost wahrscheinlich wieder an den Bodensee zu den Bregenzer Festspielen 2016 und nach Friedrichshafen führen.

Text und Bilder Copyright Porsche Classic Club Austria 2015

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